SOS-Schnittstelle
Eine SOS-Schnittstelle stellt die Notruffunktion sicher, wenn das Werksradio durch eine Nachrüst-Head-Unit ersetzt wird. In vielen Fahrzeugen liefert die Head-Unit die Mikrofon-Bias, stellt den Audiopfad zur Telematik her und übergibt Mute-Signale. Ohne Radio brechen diese Pfade weg und Fehlereinträge entstehen. Die Schnittstelle stellt sie wieder her, emuliert die erwarteten Lasten auf dem Bus und erhält Taste, Kontrollleuchte und Audiopfad.
Worauf muss ich achten?
- Fahrzeugarchitektur: ist die Telematik (eCall) separat oder ins Radio integriert? Bei integrierten Systemen ist ein Umbau oft nicht ohne Funktionsverlust möglich; nur Lösungen einsetzen, die eCall-Erhalt ausdrücklich unterstützen.
- Stecker und Leitungen: Passform zum Fahrzeugstecker prüfen (z. B. 52-Pin-Quadlock). Pinbelegung, Durchschleifen von KL15/KL30 und Masse sowie Kabellänge (typ. 20–30 cm) beachten.
- Datenbus und Mute: Unterstützung der korrekten CAN-Geschwindigkeit (meist 125 oder 500 kbps) und ggf. LIN-Durchschleifung. TEL MUTE muss korrekt verarbeitet werden, ohne Gateway-Fehler auszulösen.
- Mikrofonpfad: Werksmikrofone sind meist Electret-Typen mit ca. 2 V Bias und ~2,2 kΩ. Die Schnittstelle muss die Bias erhalten und Brummschleifen vermeiden; Schirmung und Masseführung sind entscheidend.
- Diagnose und Strom: Ruhestrom ideal <10 mA. Nach Einbau ggf. einmalige DTCs löschen; die SOS-Kontrollleuchte muss den Selbsttest bestehen und ausgehen.
Einsatzfälle
Wähle eine SOS-Schnittstelle, wenn eine Nachrüst-Head-Unit verbaut werden soll und die gesetzlich geforderte Notruffunktion erhalten bleiben muss. Relevant für Flotten/Leasing, HU-Tauglichkeit und um Warnmeldungen im Kombiinstrument zu vermeiden. Das Produkt dient dem Erhalt vorhandener eCall-Funktionalität; es rüstet eCall nicht nach. Nach dem Einbau die SOS-Taste sowie Mikrofon-/Audiopfad mit der fahrzeugseitigen Selbsttest-Prozedur prüfen. Sicherheit beachten: Batterie abklemmen, abgesichert einspeisen und Leitungen außerhalb von Airbag-Bereichen verlegen.